Manila ist laut, hektisch und voller Gegensätze. Hochhäuser und moderne Einkaufszentren stehen unweit von Armenvierteln entfernt, wo Familien unter schier unvorstellbaren Verhältnissen leben. Genau dort findet ein grosser Teil der sexuellen Online-Ausbeutung von Kindern statt – per Webcam, per Videocall, massgeschneidert auf Bestellung. Das Verbrechen hat einen Namen: OSEC – Online Sexual Exploitation of Children.

Gemeinsam mit IJM reisten wir im April 2026 auf die Philippinen, um direkte Einblicke in den Kampf gegen OSEC zu erhalten.

Was ist OSEC?

OSEC beschreibt die sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern durch Livestreams oder Missbrauchsmaterial – häufig direkt im familiären Umfeld, in über 80 % der Fälle durch nahe Verwandte. Auf den Philippinen waren laut einer Studie von IJM allein 2022 rund 500 000 Kinder betroffen. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei gerade einmal elf Jahren. Das jüngste identifizierte Kind war noch kein Jahr alt.

Was dieses Verbrechen so schwer fassbar macht: Es hinterlässt keine sichtbaren Spuren im digitalen Raum und wird von Tätern daher oft als harmlos betrachtet. «No touch means no harm» – kein Berühren, kein Schaden – scheint die verbreitete Überzeugung zu sein. Doch alle bisher befreiten Kinder tragen schwere Traumata, die jahrelange Aufarbeitung erfordern. Und der einzig vertraute Raum – ihr Zuhause – wird zum Tatort.

Besonders erschütternd war für uns zu verstehen, wie «einfach» dieses System funktioniert: Ein Smartphone, Internet, gewöhnliche Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram – und kaum Kontrolle. OSEC ist einfach, risikoarm und profitabel.

Foto: International Justice Mission

Ein Land, das nicht wegschaut

Beeindruckt hat uns die Entschlossenheit, mit der die Philippinen gegen diesen Missbrauch vorgehen. Wir trafen Ermittler, Sozialarbeiterinnen, Behörden und Betroffene des «Philippine Survivor Network» – Menschen, die täglich mit diesen Fällen konfrontiert sind und nicht aufgeben. Polizei, Gerichte und Schutzorganisationen tauschen sich aus und lernen in gemeinsamen Trainings, Fälle schneller zu erkennen und gezielter zu handeln.

Einmal pro Woche treffen sich das FBI, das Bundeskriminalamt und weitere internationale Strafverfolgungsbehörden gemeinsam mit philippinischen Behörden, um Hinweisen nachzugehen und Informationen auszutauschen. Seit IJM vor zehn Jahren auf den Philippinen zu arbeiten begann, wurden über 1 700 Kinder gerettet und mehr als 500 Täter verhaftet.

«Viele dieser Täter steuern den Missbrauch aus westlichen Ländern – auch aus der Schweiz. Das macht diesen Kampf zu unserem Kampf.»

Die Nachfrage kommt überwiegend aus Europa, den USA und Australien – leider auch aus der Schweiz. Genau deshalb unterstützt Chance Swiss gemeinsam mit IJM die wichtige Ermittlungsarbeit vor Ort – damit Kinder schneller gefunden, gerettet und Täter verurteilt werden.

Trotz der Heftigkeit des Erlebten, kehren wir mit Zuversicht in die Schweiz zurück. Weil wir gesehen haben: Es gibt Menschen, die kämpfen. Es gibt ein Land, das nicht wegschaut. Und es gibt uns – die diesen Kampf von hier aus unterstützen.

Helfen Sie mit, Kinder vor sexueller Online-Ausbeutung zu schützen.

Eindrücke der Projektreise
Ein Neubeginn für Sunita
Post

Weitere interessante Berichte

  • Veröffentlicht am: 13 Januar 2023

    Indien Projektreise 2022
  • Veröffentlicht am: 23 März 2016

    Tanzshow für Kinder in Not
  • Veröffentlicht am: 22 September 2015

    Radhika – das Buch