Vor zwei Tagen rufen wir Anuradha Koirala, die Leiterin von Maiti Nepal, an, um ihr ein gutes neues Jahr zu wünschen. Sie winkt ab. So schlecht habe ihr Jahr begonnen.

Während unseres Videocalls betritt die kleine Sunita mit ihrer Betreuerin Pemba das Büro. Sie kommen gerade von der Polizeistation. Sunita hat dort den ganzen Tag verbracht. Erst wenige Tage zuvor wurde das 6-jährige Mädchen zu Maiti Nepal gebracht. Ein Mann hatte sie vergewaltigt. Sie weinte vor Schmerzen. Die Krankenschwestern sind noch immer erschüttert, wenn sie davon erzählen. Immer wieder habe Sunita gesagt: „Es tut hier so weh.“

Als Anuradha Koirala berichtet, kommen ihr die Tränen. Es sind diese Momente, in denen sich alles zu viel anfühlt. Zu viele Kinder. Zu viel Gewalt.

Sunita lebt meist mit ihrer Mutter auf der Strasse. Trotzdem schickt die Mutter sie in den Kindergarten. In der Nähe gab es einen kleinen Laden. Der Besitzer gab Sunita manchmal etwas zu essen. Deshalb ging sie nach dem Kindergarten oft dort vorbei. Vor drei Tagen nutzte der Mann dieses Vertrauen aus.

Die Polizei brachte Sunita noch am selben Abend zu Maiti Nepal. In der Klinik wurde sie medizinisch versorgt, und seitdem ist immer jemand an ihrer Seite. Die Polizei hat inzwischen bestätigt, dass Sunita im Kinderschutzhaus von Maiti Nepal bleiben darf. Ihr grösster Wunsch: weiter zur Schule zu gehen.

Plötzlich steht Sunita neben Anuradha Koirala und schaut direkt in die Handykamera, in der sie uns im Videocall sehen kann. Erst schüchtern, dann strahlend sagt sie: „Namaste!“ Schon rennt sie nach draussen in den Hof, wo Pemba sie lachend hochhebt und durch die Luft schwingt. Nur wenige Tage nach dem Erlebten kann Sunita wieder lachen – dieses Lächeln zeigt, worum es in unserer Arbeit geht.

Wir danken allen, die an unserer Seite stehen und solche Veränderungen für Kinder möglich machen!

*Name geändert

Zusatztermin: Film-Event „Die Mutter Nepals“ Anuradha Koirala – eine Frau gegen Menschenhandel

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